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Predigt vom 03.12.17

am 1. Advent 2017 in Wilhelmsfeld

Predigt zu EG 11 „Wie soll ich dich empfangen“


Liebe Gemeinde,
„wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm“ mit diesem Song aus der „Sesamstraße“ werden Kinder zum forschenden Fragen motiviert.
Aber zu fragen hat immer wieder auch ein negatives Image.
Fragen vermitteln Ahnungslosigkeit.
„Waaas, das weißt du nicht?“ kommt einen da mitunter entgegen und man bereut im selben Augenblick, die Frage gestellt zu haben.
Dabei wissen wir doch aus Erfahrung, dass oftmals die angeblich dummen Fragen am meisten weiterbrachten.
Und so fängt auch Paul Gerhard in seinem Adventslied damit an, zuzugeben, dass er etwas nicht weiß, indem er der Frage Raum gibt;
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?“


Und dazu passt die Melodie: gedämpft, verhalten, geheimnisvoll.
Das ist nicht der strahlende Klang von „Macht hoch die Tür“ oder „Tochter Zion“ – beides Lieder, die mehr die freudenfestliche Seite des Advent betonen. Es ist demgegenüber ein Lied, das dem Advent als Zeit der Besinnung und Vorbereitung entspricht. Denn dies sind doch nicht die Wochen der großen Antworten, sondern es ist die Zeit zu fragen: „Jesus, ich möchte mich neu besinnen: auf dich, auf dein Wort. Auf deine Ankunft möchte ich mich einstellen, dich aufnehmen, aber wie? Ich möchte heraus aus der Routine des Alltags und frei werden, dir zu begegnen.“
So redet Paul Gerhardts Lied zu mir, wenn ich die erste Strophe sehr langsam lese und meditiere, wenn ich nicht sofort die passende Antwort finden will:
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier?
O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.“

„Jesus, setze du mir die Fackel bei“, das bedeutet doch: Erleuchte mich und sag du mir, wie ich dir begegnen kann, wie ich dich empfangen soll!
Und jetzt spüre ich eine besondere Bewegung in diesem Lied: Der Dichter wendet sich von der Frage zunächst zum Lob Gottes:

„Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweig hin,
und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.“

So heißt es in der zweiten Strophe. Und damit knüpft Paul Gerhardt zunächst an das Evangelium für den 1. Advent an: Als Jesus in Jerusalem einzieht, da empfangen ihn viele Menschen. Sie hauen Zweige von den Bäumen und streuen sie auf den Weg (Mt.21, 8). Diesen Satz nimmt der Dichter auf und gib ihm eine neue Bedeutung: Es gilt, Gott zu loben und ihm auf diese Weise zu dienen.

Dies einzuüben, dazu helfen uns gerade die Psalmen. Wenn wir diese Gebete und Lieder der hebräischen Bibel nachsprechen und singen, dann wirkt sich das zugleich auf unsere innere Verfassung, auf unser Gemüt aus. So „ermuntern wir unseren Sinn“, wie es Paul Gerhardt ausdrückt.
Viele Generationen von Menschen haben dies erfahren können. In den Psalmen finden wir uns wieder – mit unseren unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Lebenserfahrungen. Und zugleich werden wir dazu geführt, Gott zu loben.

In der dritten Strophe wendet Paul Gerhardt sich dann gleichsam um und blickt zurück:

„Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud,
als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid?
Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.“

Eine eigenartige Bewegung! Erwarten wir auf die Frage: „Wie soll ich dich empfangen?“ nicht eine ganz persönliche Antwort: Hinweise, die uns zum Handeln bringen wollen. Vorschläge, wie wir uns verhalten sollen? Doch auf die Frage folgt hier das Lob Gottes und danach ein Rückblick:
… „da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.“
Wenn ich das wieder langsam lese und nachspreche, dann spiegelt sich darin die Erkenntnis:
„Jesus, wenn ich mich richtig erinnern lasse, dann warst du schon da in meinem Leben, dann konnte ich deine Nähe und deine Hilfe schon erfahren. doch ich habe es zunächst gar nicht wahrgenommen. Ich begreife es erst heute – erst im Rückblick!“

Auf seine Art illustriert Paul Gerhardt mit seinem Adventslied einen Ausspruch des dänischen Theologen und Philosophen Sören Kierkegaards:
„Verstehen, deuten, auch religiös deuten, kann ich mein Leben nur rückwärts, leben allerdings muss ich es vorwärts“.

Diese fast schon zum Sprichwort gewordene Aussage Kierkegaards zeigt, was auch Paul Gerhardt zeigen will:
Wir sehen Gott nie von vorn in unser Leben treten (auch nicht, wenn wir die Technik des richtigen Tür-Öffnens perfekt beherrschen würden), sondern wir entdecken ihn immer nur im Nachhinein verschlungen in die Lebenspfade.
An dieser Stelle höre ich eine ältere Frau erzählen:
„Damals, unmittelbar nach dem Tod meines Mannes, da kam mir die Welt so kalt vor, so dunkel und leblos.“

Diese Erfahrung hat auch Paul Gerhardt in seinem Leben machen müssen. Rückblickend bringt er das in seinem Adventslied zum Ausdruck:
Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht …

Wieder höre ich dazu die Worte der älteren Frau:
„Es hat Zeit gebraucht, aber dann konnte ich sehen: mitfühlende Menschen haben mir geholfen...damals...dadurch ging die Sonne wieder auf in meinem Leben und jetzt kann ich sagen, das war Gottes Hilfe: aber ich kann es jetzt erst sagen, nachdem die schlimme Zeit vergangen ist. Im Rückblick heute kann ich das aussprechen.“

… “da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht“, sagt der Dichter. Und dann fährt er in der 4. Strophe fort:
„Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich
groß“.
Doch dabei denkt er nicht an Macht und Reichtum, sondern er spricht von einer anderen Größe:
„und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.“

Großes Gut geschenkt zu bekommen, das bedeutet doch: Darauf vertrauen zu können, dass Gott mich hält und trägt. Allerdings: Dies alles erkennt Paul Gerhardt erst im Rückblick – nachdem er gefragt hat: Wie soll ich dich empfangen?

Das ist die Botschaft seines Liedes; und darin spiegelt sich etwas vom Geheimnis des Advent, ja vom Geheimnis des christlichen Glaubens:
Es geht nicht um fertige Antworten in jeder Lebenslage, aber wir können fragen....(wie soll ich dich empfangen?)...und wir können erwarten, in der Rückschau, Neues und Überraschendes zu entdecken. In der Rückschau geht mir ein Licht auf.
Damit ist nicht gesagt, dass alle Dunkelheit nun für immer vorbei ist: Nein beim Vorwärtsgehen ins Leben warten neue Herausforderungen, Belastungen, Schicksalsschläge auf uns, aber dennoch können wir vertrauen, dass wir von Gott umarmt und umfangen sind.
Vielleicht merken wir es nicht...vielleicht sind die Fragen und Zweifel drängender, mehr im Vordergrund, aber im Innehalten und Zurückblicken kann es wieder hervorleuchten: das Licht der Ankunft Gottes auch in meinem Leben:
„Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr;
seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.“

Noch erkennen wir den nicht, der Hilfe für uns hat. Noch blicken wir wie in einen trüben Spiegel, -sagt Paulus- noch ist alle Gotteserkenntnis vorläufig und letztendlich Glaube, Vertrauen. Noch sind wir unterwegs, stellen Fragen und gehen tastend und suchend unseren Weg nach vorn.

Die Spannung zwischen dem Entgegengehen und dem rückwärtigen Entdecken einer göttlichen Spur beschreibt auch das kleine Adventsgedicht „Gehen“ von Karl Rahner, dem großen katholischen Theologen des 20.Jahrhunderts:

„Wir gehen,
wir müssen suchen.
Aber das Letzte und Eigentliche
sucht uns,
freilich nur,
wenn wir gehen,
wenn wir entgegengehen.
Und wenn wir gefunden haben werden,
weil wir gefunden wurden,
werden wir erfahren,
dass unser Entgegengehen
selbst schon getragen war
von der
Bewegung Gottes zu uns.“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.

Bilder

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Losungsworte der Herrenhuter Brüdergemeinde

Losung für den 16.12.2017

Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben!
Micha 2,1

Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Markus 10,42-43


Monatsspruch Dezember

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lk 1,78-79

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36,26