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Willkommen auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Wilhelmsfeld

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Predigt zum Johannistag am 24.06.18 von Pfarrer Atsma

Predigt am Johannistag 24. 6. 2018 / Wilhelmsfeld
Text: Lukas 1, 5 ff

Johannes

Liebe Gemeinde,

Unsere Namen haben fast alle eine besondere Bedeutung. Benjamin z.B. heißt: Glückskind; Klara: die Berühmte; Daniel: Gott ist mein Richter; Katharina: die Reine. Vielleicht haben ihnen ihre Eltern und sie selbst als Vater und Mutter ihren Kindern auch ganz bewusst einen bestimmten, bedeutungsvollen Namen gegeben.
Elisabeth und Zacharias, von denen im 'Vorspann' zur Weihnachtsgeschichte erzählt wird, wussten jedenfalls genau, warum sie ihrem Sohn den Namen Johannes gaben. Lange schon hatten sie sich wohl damit abgefunden, dass ihr größter Wunsch, ein Kind zu bekommen, nicht mehr in Erfüllung gehen könnte, denn sie waren bereits „alt und betagt“.
Eines Tages aber, nach dem Brauch der Priesterschaft ausgelost bringt Zacharias das Räucheropfer dar. Ein ganz und gar ordentlicher liturgischer Vorgang. Das Volk steht draußen und betet. Im Innern des Allerheiligsten, wo nur der ausgewählte Priester Zutritt hatte, verrichtet Zacharias seinen Dienst. Alles in Ordnung - und doch kommt plötzlich alles durcheinander.
Unvergesslich ist mir ein Satz des früheren anglikanischen Erzbischofs von Canterbury, Rowan Williams, in einer Predigt, die ich im Sommer 2007 in Freiburg hörte. Er sagte damals in einem ökumenischen Gottesdienst: "Sobald Gott kommt“, sagte er, „um sich in einer Wohnung oder einem menschlichen Leben niederzulassen, dann bringt er Dinge in Unordnung und verändert sie. Gott ist kein stiller oder angenehmer Gast, und wenn wir ihn einmal durch die Tür gelassen haben, können wir nicht sicher sein, dass er sich den Konventionen entsprechend verhält."

Das bekommt Zacharias buchstäblich zu spüren. Und wenn einem so mitten im feierlichsten liturgischen Handeln leibhaftig der Erzengel Gabriel erscheint, dann mag das wohl Grund genug sein, sich zu fürchten. Als Zacharias die Nachricht von der bevorstehenden Schwangerschaft bekommt, ist er buchstäblich sprach-los. Neun Monate lang bleibt er stumm und kann sich nur noch schriftlich verständigen. Dann aber wird das Kind geboren. Die Angehörigen schlagen verschiedenste Namen vor, aber Zacharias schreibt auf eine Tafel – wie vom Engel gesagt: „Er soll Johannes heißen!“ d.h.: Gott ist gnädig. -

Ein selten gewordenes Wort in unserem Alltag, unserem heutigen vom Machen, Leisten und Bezahlen geprägten Denken. Da ist es wohl nötig Brücken zu bauen von einer Welt, in der alles seinen Preis hat, zu der grenzenlosen und unverdienten Gnade Gottes hin, der zu vertrauen uns die Geschichten der Bibel einladen. So hören wir es z.B. auch von Jesaja und seiner Frau, viele Jahre bevor Johannes geboren wurde. Mit ihrem Kind Immanu-El („Gott mit uns“) gaben Jesaja und seine Frau in sehr schwierigen Zeiten in Israel vielen Menschen ein Zeichen neuer Hoffnung. Elisabeth und Zacharias setzen mit dem Namen ihres Kindes diese Geschichte fort. - Ihr Kind, Johannes der Täufer, wird zum Wegbereiter für Jesus. Zu jener Zeit in Israel, als viele hofften, es käme endlich ein starker Mann, der die römischen Besatzungssoldaten aus dem Land treibt, tritt Jesus auf. Er spricht vom Reich Gottes. „Das ist ganz nahe bei euch“, sagt er, „mitten unter euch.“ - „Ihr müsst nur die Augen öffnen dafür. Dann könnt ihr die Zeichen der Gnade Gottes und seiner Barmherzigkeit finden.“ Und wenn die Menschen ihn dann ungläubig anschauten oder mürrisch von weltfremdem Gerede sprachen, dann konnte es geschehen, dass Jesus sie einlud zu einem einfachen Mahl mit Brot und Wasser oder auch einem Schluck Wein, wenn sie welchen hatten. Ein Tisch bei dem keiner ausgeschlossen wurde. „
Dies“ sagte Jesus, “meint Gottes Gnade“. Nicht durch Macht und Gewalt wird sein Reich geschaffen, sondern allein durch Barmherzigkeit und Liebe. Warum macht ihr euch so viele Sorgen um die Äußerlichkeiten eures Lebens? Bemüht euch vor allem, die Zeichen der Güte Gottes zu sehen, die Spuren seiner großen Geduld und Langmut; alles andere wird dazu gegeben.

Davon erzählte ein 16 jähriger Schüler: „Vor kurzem habe ich eine Verhandlung gehabt über etwas, was ich zwischen November und Dezember getan habe. Ich und meine Freunde haben Einbrüche und auch schwere Diebstähle verübt. - In der Verhandlung waren der Richter, der Jugendrichter, der Staatsanwalt und auch mein Anwalt dabei. Der Staatsanwalt hat vorgeschlagen, dass ich als Strafe 21 Tage Gefängnis bekommen sollte. Das wurde abgelehnt. Der Richter sagte 10 Tage - und meine Zeit im Jugendstrafheim vor dem Prozess wurde angerechnet. Da war ich frei und wusste gar nicht mehr, was ich sagen sollte. Ich wurde auch nicht vorbestraft. Der Richter, der Jugendrichter und der Staatsanwalt hatten mit mir Gnade. Das hat mir Mut gegeben und bis heute bin ich auch nicht rückfällig geworden!"

„Johannes - Gott ist gnädig“, ein Name, der sprachlos machen kann.


Zwischengesang: Bleibet hier 789,7 Bleib mit deiner Gnade bei uns

Johannes, - nach der wundersamen Geschichte von seiner Geburt begegnen wir ihm - herangewachsen - als Wegbereiter der Gnade Gottes wieder, aber - in welch einer Aufmachung!. Einen Sack aus Kamelhaaren trägt er, mit einem ledernen Gürtel um die Hüften gebunden „und er aß Heuschrecken und wilden Honig". - „Ein ziemlich schräger Typ" meinte eine meiner Schülerinnen zu diesem merkwürdigen 'outfit'. Aber nicht nur seine Kleidung und seine Speise waren außergewöhnlich, auch, was er den Leuten zu sagen hatte, war unerhört: Er hielt ihnen vor: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch gesagt, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht? Zeigt durch eure Taten, dass ihr es mit der Umkehr ernst meint! (Lk 3, 7 + 8 / Gute Nachricht)
Das klingt gar nicht so 'gnädig', sondern ziemlich drastisch. Möglicherweise war es aber gerade diese klare, ganz und gar nicht diplomatische Sprache, die die Menschen zu ihm hinzog. Massenhaft strömten sie zu ihm an den Jordan, den Grenzfluß Israels im Osten. Die Menschen fragten Johannes: »Was sollen wir denn tun?« - Seine Antwort: »Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.« (Luk 3, 10 / Gute Nachricht)

Umkehren - und den Weg einer gnaden-losen Gesellschaft verlassen
Umkehren - und den Reichtum des Lebens teilen.
Umkehren - und leben.

So war Johannes mit seinen drastischen, aber klaren Worten Wegweiser zur Gnade Gottes und Wegbereiter für das Kommen und die Verkündigung Jesu. – Und das ist keine vergangene Geschichte..!
Seit 1996 lebt in Hamburg-Bramfeld eine christliche Lebensgemeinschaft im Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. „Brot und Rosen“ ist ihr Leitwort. Gemeinsam leben sie mit Flüchtlingen in einem "Haus der Gastfreundschaft". Sie arbeiten auf Gebieten, in denen der Staat einzelnen Menschen Grundbedürfnisse vorenthält, ja Menschenrechte verletzt. Das Asylrecht in Deutschland ist hoch umstritten, wie es die vergangene Woche wieder gezeigt hat, eigentlich weitgehend abgeschafft. Flüchtlinge werden ihrer Rechte beraubt oder in die Illegalität abgedrängt.
Für diese Menschen steht das "Haus der Gastfreundschaft" offen. Unabhängig von ihrem sozialrechtlichen Status und ohne bürokratische Hürden werden sie dort aufgenommen. Sie finden ein Zuhause auf Zeit, um durchatmen zu können und neue Perspektiven zu entwickeln. Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen leben da unter einem Dach und teilen den Alltag miteinander. Alle helfen im Haushalt, kochen, putzen oder kaufen ein, teilen Freud und Leid, essen gemeinsam, hören einander zu und feiern Feste. Sie bemühen sich, einfach und mit wenig Geld zu leben. Weitere Menschen teilen als sogenannte Freiwillige für eine Weile das Leben und arbeiten im Haus mit. Eindrucksvoll berichten sie von dieser Arbeit in ihrem regelmäßig erscheinenden Rundbrief "Brot & Rosen: „Unsere Entscheidungen in der Gemeinschaft treffen wir per Konsens. Wir halten gemeinsame Morgenandachten, feiern Hausgottesdienste und sprechen über biblische Texte. Da, denke ich, wird leibhaft vermittelt und erfahren, was das heute bedeuten kann: „Gott ist gnädig“.

Zwischengesang: 650 Kehret um

Selten habe ich von einem Menschen gehört, der so sehr etwas von Gottes Gnade verkörperte, wie der katholische Kardinal Giuseppe Roncalli. Anfang November 1958, im Alter von 77 Jahren, wurde er zum Papst gewählt. Er nannte sich Johannes XXIII. Aus einer einfachen Bauernfamilie in Bergamo, im Norden Italiens, stammend hat er diese Herkunft nie verleugnet. Die höfische Welt des Vatikanstaates mit all ihren prächtigen Gebäuden und Zeremonien war ihm wenig gemäß, wie auch dem heutigen Papst Franziskus. Und er besaß Humor genug, um darin doch sehr menschlich und - seinem Papstnamen gemäß - 'gnädig' aufzutreten.
In den ersten Nächten seines Pontifikates fiel ihm bei nächtlicher Schreibarbeit das Auf - und Abgehen der Wachen am päpstlichen Vorzimmer auf. Zu zweit marschierten die Nobelgardisten mit ihren schweren Säbeln und hohen Stulpenstiefeln sporenklingend hin und her. Johannes XXIII. schien es ein zu großer Aufwand. In einer dieser Nächte griff er ein, zumal das Geräusch der gleichmäßigen Schritte noch durch das Husten eines der Gardisten verstärkt wurde.
„Die Wachen nahmen sofort Haltung an, als der Papst die Tür aufmachte, und beide schnarrten befehlsgemäß ihre Meldungen herunter.“Gemach, gemach“, besänftigte sie der Papst, „nur nicht so aufgeregt. Geht lieber ins Bett. Geht schlafen. Auf mich braucht ihr nicht aufzupassen. Ich werde vom Heiligen Geist beschützt.“ Die Wachen gehorchten, machten kehrt und wollten davoneilen. Da rief sie der Papst zurück und drückte dem Nächststehenden noch eine kleine Schachtel in die Hand: 'Und hier habt ihr gegen den Husten ein paar Pillen. Gute Nacht!" (Aus K. Klinger, Ein Papst lacht, S. 77)
Der Glaube an Gottes Gnade ist kein ein schöner, unwirklicher Traum, schnell wieder vergessen. Die Gestalt und das Beispiel des alten Papstes Johannes, zeigen, wie beweglich, verändernd und erfrischend sich das Vertrauen auf den gnädigen Gott auswirken will und kann. Das wünsche ich uns allen für den heutigen Johannistag und weit darüber hinaus. Amen
Rudolf Atsma, Pfr. i. R.

Bilder

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Losungsworte der Herrenhuter Brüdergemeinde

Losung für den 24.09.18

Der HERR, dein Gott, wird dir Glück geben zu allen Werken deiner Hände.
5.Mose 30,9

Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.
Philipper 2,13

Monatsspruch September 2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Pred 3,11



Jahreslosung 2018

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6