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Predigt vom 01.07.18

Predigt zu 1.Mose 12, 1-4 am 1.7.18 in Wf./Heilig.
5. Sonntag nach Trinitatis

Abraham - Segen im Aufbruch

In seiner Heimatstadt Haran, einer mittelgroßen Stadt im Südosten der Türkei, da war Abram ein bekannter Mann. Alle wussten, dass er einige Jahre vorher mit seiner Ehefrau Sarah, seinem Vater und seinen Brüdern vom über 1000 Kilometer entfernten Ur im heutigen Irak nach Haran gezogen war.
Mancher bewunderte den Abram: ein weit gereister Mann und ein kluger dazu: schon zu Lebzeiten seines Vaters hatte Abram sich als guter Geschäftsmann erwiesen.
Nach dem Tod des Vaters hatte er den Besitz der Familie geschickt verwaltet und vermehrt: das Vermögen der Familie des Abram war beständig gewachsen.
„Schade nur“, sagten die Leute, die Freunde und Nachbarn, „schade nur, dass der Abram keine Kinder hat. Wer soll das alles mal erben, wer wird Nachfolger sein?“
Und so stand an der Geschäftstür zum Büro des Abram nur sein Name »Abram«, d.h. übersetzt „Gott/Vater ist erhaben“. Unser Abram wäre sehr erstaunt gewesen, wenn ihm einer gesagt hätte: eines Tages wird dein Name von deinem Gott geändert; dann wird er dich Abraham nennen, das bedeutet übersetzt: du wirst ein „Vater von Völkern“ werden.

Nun, so weit sind wir noch nicht, das wird erst später passieren. Jetzt heißt der spätere Abraham noch Abram und ist ein tüchtiger Geschäftsmann, Viehzüchter und Verwalter seines Besitzes. Jahr für Jahr vergeht. Abram wird 60, 70, schließlich 75 Jahre alt. Da geschieht etwas ganz Überraschendes.
Abram hört er eine Stimme, die ihn sein ganzes Leben nicht mehr loslassen wird:

Der HERR sprach zu Abram: „Geh aus deinem Vaterland, von Haus und Hof, von deinen Verwandten und Bekannten. Geh aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen werde.
Ich will dich segnen und zu einem großen Volk machen. Ich will dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“
Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot, sein Neffe, zog mit ihm.

Das Problem mit der Geschichte von deinem Auszug, Abram, ist, dass alles unausgesprochen bleibt und dadurch deutungsbedürftig wird. Und unsere Fragen sind sofort da: Welche Sehnsucht war in dir trotz allem Wohlergehen? Bist du widerwillig gegangen, angstvoll oder vertrauensvoll? Wie erging es dir auf dem Weg: Warst du hoffnungsvoll oder hast du deine Heimat vermisst?

Wir Heutigen, wir kennen dich, wissen, dass du es richtiggemacht hast, auf Gott zu hören. Nicht nur richtig, gut hast du´s gemacht. Richtig gut.
So haben dich alle in Erinnerung behalten; gehst da los, weil Gott es dir sagt, ohne festes Ziel, eine Lebensreise. Das Volk Israel hat von dir immer wieder gelernt, was es heißt, auf Gottes Wort zu hören und zu glauben, hat von dir gelernt wie Glaube im wahrsten Sinne des Wortes ‚geht‘.
Genau: glauben, das ist es, das hat der Apostel Paulus von dir gesagt – Vater aller glaubenden Menschen. Nicht mit bestimmten frommen oder unfrommen Voraussetzungen, nichts als Gott hören und glauben.

Immerhin, liebe Gemeinde, und das wird ihn motiviert haben, loszugehen, hatte Abram von Gott etwas Großartiges mit auf den Weg bekommen: den Segen.

Gleich fünfmal ist in dem Wort, das Gott zu Abram spricht, von „segnen“ bzw. „Segen“ die Rede.
Auffallend ist, wie sich der Segen quasi unaufhörlich ausbreitet: erst ist der Segen für den einen gedacht, für Abram: Ich will dich segnen.
Das Fluchwort und will verfluchen, die dich verfluchen unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Segensworte und dient als Schutz in der Fremde, in der Abram unterwegs sein wird.

Dieser eine Mensch soll den Segen und alles, was damit verbunden ist, nicht für sich behalten:
Du sollst ein Segen sein. Er soll zum Segen für andere werden. Und am Ende sollen alle Geschlechter, alle Völker auf Erden gesegnet werden.
Segen zwar erst personal, aber dann universal.
Segen nicht nur lokal, sondern global.
Dazu passt im Übrigen, dass alle drei monotheistischen Religionen - Judentum, Christentum und Islam - Abraham sehr hoch schätzen.
Segen ist also kein Privatbesitz.

Deutlich wird in unserem Bibelwort auch Folgendes: Segen ist mit Aufbruch, mit Losgehen verbunden.
„Geh aus deinem Vaterland, von Haus und Hof, von deinen Verwandten und Bekannten. Geh aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen werde.

Diesen Ruf hört, spürt Abram. Lechlecha, heißt es hier im Hebräischen: geh, geh wirklich! Viel Nachdruck liegt darin.

Was mag Sarah, Abrams Frau, gedacht haben?
„Eltern und Schwiegereltern sollen wir zurücklassen, die ganze Großfamilie, die vertraute Landschaft, das Dorf, die Wasserstellen, die Freundinnen? Und wozu? Wo ist dieses Land, das wir gezeigt bekommen sollen? Was hält es bereit? Und dieser Gott, der da spricht – kann man ihm vertrauen? Wozu weggehen?“
Hinzukommt, dass damals das Verlassen von Heimat, Sippenverband und Familie ein Höchstmaß an Gefährdung für Leib und Leben darstellte.
Aber dann ziehen sie doch los.

Hier geschieht also der Aufbruch, hier beginnt eine große Geschichte des Segens, bis zu uns. Alles unter der großartigen Zusage: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“
Was kann einem Menschen überhaupt Größeres zugesagt werden als „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Was, wenn das für uns auch gelten kann, dass wir uns unter Gottes Segen immer wieder neu auf den Weg machen, also mit seinem Schutz und seiner Kraft, die das Leben gelingen lässt? Das ist ja Segen.
Was, wenn diese Kraft auch uns trägt in den verschiedenen Lebenssituationen?
Und was, wenn auch wir von Gott beauftragt sind, selbst Menschen des Segens zu sein, die für andere segensreich und wichtig sind? Was für eine Zusage für unsere Wanderschaft durch die Zeit!

Aber bevor ich das Wort an Abram zu schnell auf uns beziehe, sind zwei Einschränkungen nötig:

Die eine Einschränkung:
Man darf Aufbrüche nicht idealisieren, Wanderschaft nicht schön reden. Denn wir haben doch auch alle die ganz anderen Bilder vor Augen, von Menschen die geflohen sind vor Krieg und Verfolgung, vor Armut und miserablen Lebensbedingungen. Aufbruch und Wanderschaft sind für viele mit großer Not verbunden. 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, 95 % davon außerhalb von Europa.
Wenn wir heute über Aufbruch und Wanderschaft reden, dürfen wir sie nicht vergessen. Ich bin froh, wie viele Menschen sich für Geflüchtete engagieren. Ich denke, das ist eine konkrete Form, wie diese Zusage Gottes an uns Gestalt gewinnt. „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“

Die zweite Einschränkung:
Abram ist aufgebrochen auf seine Wanderschaft, er hat mit seiner Frau alles verlassen. Das tun wir so nicht.
Wir haben unsere Rückfahrkarte in der Tasche, wenn wir z.B. wie jetzt in der Urlaubs- und Reisezeit auf die Insel ziehen, einmal Mallorca, Kreta oder Sylt und zurück, das schließt Erholung, Sand und Sonne, Gottesdienst, Musik auf Plätzen und in Gassen mit ein, raus aus dem Alltag, endlich mal Mensch sein. Und dann aber nichts wie zurück, Arbeit, Schule, Haus und Familie – wir können ja schließlich nicht immer auf der Insel bleiben.

Einen Augenblick male ich mir das aus: Was wäre, wenn all die Millionen von Menschen, die sich in diesem Jahr in Deutschland einen Urlaub leisten können, wenn die alle mit ihrer Sehnsucht nach sich selbst, nach dem Menschen und deshalb ihrer Frage nach Gott an ihren Ferienorten blieben? Nicht auszudenken!

Nein, menschliches Leben braucht auch Dauer und Verlässlichkeit. Auch auf der Dauer liegt der Segen Gottes. Wo Menschen in Treue ihre Arbeit tun. Wo jemand zu seiner Familie steht, auch wenn es mal schwer wird. Wo Menschen über lange Zeit ihre alten Angehörigen begleiten oder pflegen, wo Menschen sich vor Ort sozial und politisch engagieren. Treue und Dauer sind hohe Güter für unser Zusammenleben.

Genau das hat das Volk Israel ja erfahren. Als sie die Abrahamsgeschichte aufgeschrieben haben, so wie wir sie heute hören, da sind sie längst sesshaft. Da leben sie längst in dem Land, das Gott ihnen gegeben hat. Und gerade das verstehen sie als Segen. Gerade in der Sesshaftigkeit erleben sie den Segen Gottes.

Aber zu dem kam es eben nur durch den Aufbruch des Abram. Deshalb wird die Geschichte aufgeschrieben und erzählt: Der Segen, den wir erfahren, der ist zustande gekommen, weil Abram und Sara aufgebrochen sind. Weil sie Gottes Zusage vertraut haben.
Und so ist in aller Dauer doch immer die Frage: Wo brauchen wir Aufbruch? Wo ist es Zeit, Altes hinter sich zu lassen und Neues zu wagen? Wo hat sich jemand festgefahren und braucht Mut zum Neuaufbruch? Jeder und jede mag sich das fragen: Wo wäre ein Neuaufbruch gut oder sogar nötig.
Wo brauchen wir Neuaufbrüche auch in unserer Kirche? Wo sind wir zu sehr festgefahren in alten Pfaden? Wo können wir auf neue Weise Segen für andere sein?
Segen, darin ist zusammengefasst, was die Bibel als Gottes Lebenskraft beschreibt, die uns im Leben und auch im Sterben trägt.
„Der Segen ist der Ort höchster Passivität“, sagt der Theologe Fulbert Steffensky. „Die Schönheit, die Kraft, die Lebensstärke und die Ganzheit garantieren wir uns nicht selbst. Es leuchtet ein anderes Antlitz über uns als das eigene. Es ist ein anderer Friede da als der mit Waffen erkämpfte und eroberte. Der Ausgang und der Eingang sind nicht von den eigenen Truppen bewacht, sie sind von Gott behütet… Der Segen ist die dichteste und dramatischste Stelle des Glaubens. Dort wird nämlich inszeniert, was Gnade ist: nicht erringen müssen, wovon man wirklich lebt; sich nicht bannen lassen durch die eigenen Zweifel und durch die Zersplitterung des eigenen Lebens. Der Gesegnete muss nicht nur er selber sein. Er stürzt in den Abgrund des Schoßes Gottes.“

Die Abrahamsgeschichte übrigens ist eine Seniorengeschichte. 75 Jahre alt sei Abram gewesen, als er sich neu auf den Weg machte. Jung war er also auf keinen Fall.
Abschiede und Aufbrüche werden also auch im Alter zugemutet.
Abschiede müssen genommen werden von lieben Menschen und von eigenen körperlich-geistigen Fähigkeiten. Aufbrechen kann man zu immer noch mehr Lebensweisheit und Gelassenheit, die aus langer Lebenserfahrung herrührt. Abschied muss man vielleicht vom eigenen Haus nehmen. Aufzubrechen gilt es dann in eine seniorengerechte Wohnung oder gar ins Pflegeheim. Ob darin auch Segen liegen kann? Ein Ruf Gottes versteckt ist?
Auf, geh in ein Land, das ich dir zeigen werde....?
Ich weiß es nicht, weil ich noch nicht in dieser Lebensphase bin – aber vielleicht lohnte es sich, darüber nachzudenken.
Liebe Gemeinde, wir alle gehen in eine Zukunft, die wir nicht kennen. Aber wir gehen unter Gottes Segen. Das Land ist unbekannt, in das jeder von uns geht. Aber es ist das Land, das Gott uns zeigen will.

So drückt es auch ein Gedicht des vor zwei Jahren verstorbenen Pfarrers, Theologieprofessors und Dichters Klaus-Peter Hertzsch:
„Die neuen Tage öffnen ihre Türen.
Sie können, was die alten nicht gekonnt:
Vor uns die Wege, die ins Weite führen.
Den ersten Schritt, ins Land, zum Horizont:
Wir wissen nicht, ob wir ans Ziel gelangen.
Doch gehn wir los, doch reiht sich Schritt an Schritt.
Und wir verstehn zuletzt, das Ziel ist mitgegangen,
denn, der den Weg beschließt und der ihn angefangen,
der Herr der Zeit, geht alle Tage mit.“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.

Bilder

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Losungsworte der Herrenhuter Brüdergemeinde

Losung für den 24.09.18

Der HERR, dein Gott, wird dir Glück geben zu allen Werken deiner Hände.
5.Mose 30,9

Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.
Philipper 2,13

Monatsspruch September 2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Pred 3,11



Jahreslosung 2018

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6