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Hausandacht

05. April 2020 – Palmsonntag

Wochenspruch: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3, 14b.15)

Hausandacht - Sonntags, wenn die Glocken läuten….

Richten Sie sich eine kleine Andachtsecke ein: Eine Kerze, eine Bibel (Johannes 12 aufschlagen), ein Gesangbuch, ein Kreuz, einen Engel, ein schönes Symbol (was Sie zu Hause haben).

Beginn: Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ – Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Aber im Beisein unseres Gottes: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen Unsere Hilfe steht beim Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wir beten: Wir sind da, Gott, und du bist es auch. Durch deinen Geist sind wir miteinander verbunden im Glauben, Lieben und Hoffen. Auch wenn wir in diesen Zeiten vereinzelt sind: Wir sind Teil der weltweiten Gemeinschaft deiner Kinder. So lass uns zur Ruhe kommen. Wir sind hier mit allem, was uns bewegt. Lass uns deine Nähe spüren. Amen.

Singen oder lesen Sie im Gesangbuch das Lied 91: Herr, lehre mich..

Gedanken zum Einzug Jesu in Jerusalem: Bitte lesen Sie im Johannesevangelium, Kapitel 12, die Verse 12 bis 19.

Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Karwoche. Vielleicht können uns die besonderen Umstände, unter denen wir aktuell leben müssen, helfen, noch einmal einen anderen Blick auf die Geschehnisse damals in Jerusalem zu werfen: Als Jesus nach Jerusalem kommt, rufen ihm die Menschen ihr begeistertes „Hosianna“ zu. „Gelobt sei, der da kommt im Namen Gottes.“ Es ist nicht nur der Glanz einer berühmten Persönlichkeit, der sie anzieht. Viele freuen sich wirklich auf die Begegnung mit Jesus, von dem sie schon so viel Gutes gehört haben. Seine Predigten und Heilungswunder haben die Herzen der Menschen berührt. Jesus, ein neuer gewaltiger König, vergleichbar mit dem einzigartigen König David. - Doch der Hoffnungsträger unzähliger Erwartungen präsentiert sich merkwürdig ohnmächtig und schwach. Ein König auf einem Esel, einem Narrentier? Einer auf dem Gipfel seiner Macht macht sich lächerlich. Jetzt laufen sie ihm nach, jetzt läge es in seiner Hand, die Massen zu bewegen, wohin er will. Seine Stunde ist da. Aber keine Stunde des Triumphs, eher die Stunde der Entscheidung, man könnte auch sagen: der Offenbarung. Gott ist so ganz anders, als wir Menschen uns das vorstellen. Gott leidet mit an den unleidlichen Zuständen dieser Welt. In den Augen der Menschen gibt Jesus die Gunst der Stunde preis, die Chance zur Machtergreifung.

Er geht einen anderen Weg, einen schwereren Gang; er geht seinen Weg ans Kreuz. Heute am Palmsonntag jubelt man ihm noch zu. In wenigen Tagen, am Karfreitag, wird er unbarmherzig getötet. Ein Unschuldiger wird gefoltert und grausam hingerichtet. Und jedes Mal, wenn wir uns an dieses besondere Geschehen erinnern, stehen uns wohl auch noch viele andere Kreuze vor Augen: Das unvorstellbare Leid der Kriegsopfer in Syrien, das Leid der Menschen in den Flüchtlingslagern an der griechisch – türkischen Grenze, das Leid und die Angst der Bevölkerung in den besonders vom Corona - Virus betroffenen Regionen, um nur einige zu nennen. Aber auch die Kreuze auf unseren Friedhöfen, die für die Erfahrung von Verlust und Trauer stehen. Und da gibt es die unsichtbaren Kreuze persönlicher Schuld und eigenen Versagens, an denen wir zu tragen haben, die uns das Herz schwer machen.

Immer deutlicher wird, dass Jesus diesen Weg für uns gehen muss, weil wir mit unserem Gottvertrauen, unserer Kraft und unserem Mut an Grenzen stoßen. Er öffnet uns am Kreuz einen Weg in das Leben, weil es ihm nicht darum geht, „dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Mt. 20, 28)

In besonderer Weise gehen viele von uns ihren Weg zurzeit belastet und gebeugt; wir schauen nach unten auf Bildschirme und Hausaufgaben, auf das, was uns ängstigt. Aber dann hören wir diesen Ruf: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch neuen Lebensmut geben.“ (Mt. 10, 28) Wir hören Jesu Verheißung und heben vorsichtig unsere Köpfe. Da ist einer, der mit uns geht, auch durch dunkle Täler; da geht einer mit, auch in der Corona-Krise. Das gibt uns Mut und Zuversicht und richtet uns auf. Wer den Kopf hebt, entdeckt Menschen um sich: die alte Dame, die allein in ihrer Wohnung sitzt; der Nachbar, der schon lange ein Sauerstoffgerät braucht und nun sehr gefährdet ist; die junge Frau, die gerade eine Krebsoperation überstanden hat. Sie warten auf uns und unseren Mut, im Vertrauen auf Gott Verantwortung füreinander zu übernehmen: einkaufen, anrufen, schreiben, Gemeindebriefe verteilen. Kleinigkeiten, kleine Schritte, die aber ausstrahlen: Wir vertrauen auf Jesus Christus, der mit uns durch die Krise geht, der uns aufrichtet und Zukunft verheißt.

Als Christinnen und Christen wissen wir in diesen Tagen, dass wir auf Gottes Geleit vertrauen können. Wir wissen um die Hoffnung, die für uns an Ostern wieder in besonderer Weise erfahrbar wird. Wir wissen um unsere Begrenztheit, aber auch um die großen Gottesgaben: um Glaube, Hoffnung und Liebe! Und wir bedienen uns des Verstandes, der uns lehrt, in diesen Tagen und Wochen Verantwortung zu übernehmen. Herz, Verstand und Abstand. Und zugleich: Zuspruch der Gnade und der Verlässlichkeit Gottes. Amen.

Singen oder lesen Sie im Gesangbuch das Lied 98: Korn, das in die Erde.

Fürbitten: Jesus Christus, du treuer Begleiter durch alle Höhen und Tiefen. Dich bitten wir: Unterstütze die Forschenden bei der Suche nach Impfstoffen und Gegenmitteln, die das Virus bekämpfen. Schenke Kraft, Ausdauer und Geduld den Menschen, die in der Medizin, in der Pflege und in der Lebensmittelversorgung tätig sind. Sende deinen Geist der Weisheit den Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche für die schwierigen Entscheidungen, die sie treffen müssen. Sorge dich um die Infizierten, die Menschen in der Quarantäne und um ihre Angehörigen. Steh allen bei, denen die momentane Situation Angst bereitet, und stifte neuen Mut. Begleite die Menschen in unseren Gemeinden und stärke ihren Blick füreinander. In dir, Gott, finden wir Trost und Halt. Nun vertrauen wir Gott unsere persönlichen Anliegen an: Gemeinsam beten wir das Vaterunser: (Gesangbuch Nr. 806) Segen: Uns alle, die wir in Gott verbunden sind, segne und behüte der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. (Agnes Seyferth, Pfarrerin in Schönau und Altneudorf)