A- A A+
Drucken

Hausandacht für Pfingstsonntag 2020

 

Sonntags um 10.00 Uhr, wenn die Glocken läuten….


Ein Vorschlag für alle, um mit uns Gemeinschaft zu leben.

 

722274 1120 retina

Beginn: Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Aber im Beisein unseres Gottes:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Unsere Hilfe steht beim Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten:

Lass uns deinen Geist spüren, du gnädiger Gott,

wie einen kühlen Windhauch an einem heißen Tag, der uns erfrischt und Kraft gibt;

wie ein Lied voll Freude inmitten der Stummheit, die uns froh macht und neu zu loben lehrt;

wie eine frische Windböe, die alles durcheinanderwirbelt, wenn unser Leben so fertig und unbeweglich scheint.

Sende uns deinen Geist, den Geist der Liebe, der Hoffnung und der Kraft. Amen.

Lied: O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136, 1,2,7)

Gedanken zum Wochenspruch:

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ ( Sacharja 4,6b)

Wir brauchen Macht, um endlich die nötigen Reformen durchzusetzen, sagt der Politiker, der eine Wahl gewinnen will.

Du musst einfach mehr powern, rät die Klassenlehrerin einem Schüler, dessen Noten zu wünschen übrig lassen.

In vielen Lebensbereichen haben wir uns angewöhnt, dass Wünsche nur durch kräftigen Einsatz wahr werden, dass Erfolg nur mit dem nötigen Nachdruck zu erzielen ist, und dass es deshalb ab und zu schon mal hart zur Sache gehen muss, wenn man im Leben etwas erreichen will.

Oft genug werden schon Kinder in diese Richtung gelenkt – indem sie zu spüren bekommen, wer stärker ist (nach Lage der Dinge halt immer die Erwachsenen).

So wird – in der Schule, in der Politik, im Wirtschaftsleben und nicht selten auch in der Kirche – mit harten Bandagen gekämpft, natürlich immer um edler Ziele willen. Ich kenne sogar Ehen, bei denen man denkt, die spielen dauernd Krieg, weil es immer und überall darum geht, wer den Ton angibt und das letzte Wort behält.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Das ist die pfingstliche Alternative zu einer Ellenbogengesellschaft, in der nur der Stärkere überlebt – oder in der die Leute zumindest meinen, dass ohne Power nichts geht im Leben.

Auf den Geist kommt es an. Das ist die befreiende Wahrheit gegen den Aberglauben, dass sich mit Geld alles kaufen und mit Macht alles erreichen lässt.

Das ist aber auch das Reformprogramm für eine verwaltete Kirche, in der Gewohnheit und Bürokratie immer wieder Leben und Phantasie ersticken.

Und das ist frischer Wind für das persönliche Leben, der die Angst um das eigene Ich ebenso wegbläst wie die ewige Furcht, den Kürzeren zu ziehen.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Damit ist nichts gegen Initiative, Engagement und Durchhaltevermögen gesagt; im Gegenteil. Wohl aber, dass alle Anstrengungen falsch sind und – zumindest langfristig – das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich gewollt war, wenn der Geist nicht stimmt, aus dem sie erwachsen.


„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“

Geist, das ist weder Stimmung noch Gedankennebel, sondern Energie von Gott, die allen Krampf und allen Kampf überflüssig macht.

Niemand kann endlos aus eigenen Reserven schöpfen. Irgendwann ist unweigerlich Schluss damit.

Wenn die Kräfte verbraucht, die Alternativen ausgeschöpft und alle Illusionen dahin sind, braucht es mehr, als sich einen kräftigen Ruck zu geben und den letzten Rest an guten Absichten zu mobilisieren.

Dann braucht´s Gottes Geist: Mut zum Leben, Phantasie, Hoffnungskraft und Liebesfähigkeit.

Das Fatale und zugleich Faszinierende an Gottes Geist ist freilich: Er lässt sich nicht organisieren, nicht programmieren, nicht garantieren und um nichts in der Welt dingfest machen.

„Der Geist weht, wo er will“, sagt Jesus einmal. Und meint damit: Gottes Geist, die menschenfreundliche, zukunftsfähige Korrektur jeder Macher-Mentalität lässt sich nicht „machen“.

Oder lässt sich Liebe etwa machen“?

Liebe ist und bleibt ein wunderbares Geschenk, eine Gabe Gottes.

Sich für andere Menschen einzusetzen, statt an den eigenen Vorteil zu denken – das scheint unnatürlich.

Aber wenn unser Zusammenleben kein Krieg aller gegen alle sein soll, dann brauchen wir nichts mehr, als Gottes heiligen Geist, die Energie zur Sympathie, die Menschen auf andere achten und mit-leiden lehrt, anstatt nur das eigene Schäfchen ins Trockene zu bringen.


Wie sagt es Paulus? „Der Heilige Geist lässt eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22f)

All diese Tugenden und Verhaltensweisen sind zwar nicht unbedingt vernünftig, sie zahlen sich nicht aus, jedenfalls nicht, wenn man sie aus dem Blickwinkel des persönlichen Vorteils anschaut.

Aber genau sie sind es, die menschliches Leben liebenswert und menschliches Zusammenleben erfreulich machen.

Dass nicht der Härte, dem Durchsetzungsvermögen, dem erfolgsbewussten Macht- und Karrierestreben die Zukunft gehört, sondern dem, was der Geist Gottes wirkt – das feiern und lernen wir zu Pfingsten.

Damit Leben diesen Namen verdient und unsere Erde nicht zu Grunde geht.

Bei Gott zählt ausgerechnet das, was sich nicht rechnet.

Sein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit ist – jedenfalls auf lange Sicht – stärker als alles menschliche Machtgehabe.

Gottes Geist erinnert uns daran, was dauerhaft dem Leben dient und nicht nur den eigenen kurzfristigen Interessen.

Er bewegt uns, auch mal über den eigenen Schatten zu springen, wenn wir wieder mal – koste es, was es wolle – Recht behalten wollen.

Gottes Geist ist Balsam für unsere gestressten Nerven, er entspannt und entkrampft; denn er versichert uns, dass Gottes Möglichkeiten noch lange nicht erschöpft sind, wo wir mit unserem Latein am Ende sind.

Von Gottes Geist beflügelt können wir wieder etwas von jener spielerischen Leichtigkeit des Seins zurückgewinnen, die wir oft genug unserem Streben nach sichtbarem Erfolg geopfert haben.

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“

Wir sind nicht von allen guten Geistern verlassen, obwohl es – Gott sei´s geklagt – oft danach aussieht.

Denn Gottes Geist ist die Energie, aus der die Freiheit der Kinder Gottes kommt;

die Kraft, die unserer Phantasie Flügel verleiht;

die unseren Verstand mit Vertrauen und unsere Seele mit Lebensmut begabt;

die unserer Liebe einen langen Atem gibt und unserem vergänglichen Dasein ein Stück Ewigkeit.

Amen.

Lied: Zieh ein zu deinen Toren (EG 133, 1,7,8)


Wir beten:

In unsere Welt voller Streit sende deinen Geist der Versöhnung.

In unsere Welt der Gewalt sende deinen Geist des Friedens.

In unsere Welt der Gleichgültigkeit sende deinen Geist der Liebe.

In unsere Welt der Kälte sende deinen Geist des Mitgefühls.

In unsere Mutlosigkeit sende deinen Geist neuer Hoffnung.

In unsere Angst sende deinen Geist voll Trost.

In unsere Müdigkeit sende deinen Geist voll neuer Kraft.

In unsere Resignation deinen Geist neuer Träume.

Sende deinen Geist des Friedens in alle Kriegsgebiete.

Sende deinen Geist des Trostes zu allen, die um einen geliebten Menschen trauern.

Sende deinen Geist der Liebe zu allen, die sich allein und ungeliebt fühlen.

Amen.

Nun vertrauen wir Gott unsere persönlichen Anliegen an:

In Verbundenheit mit der ganzen Christenheit beten wir das Vaterunser.


Segen:

Uns alle, die wir in Gott verbunden sind, segne und behüte der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Pfingstfest!

Ihre Agnes Seyferth, Pfarrerin in Schönau und Altneudorf.