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Predigt vom 27.05.2018

Predigt zu Röm. 11, 33–36 

am 27.5.18 in Wilhelmsfeld
Trinitatis

 Drei mal eins macht eins, widewidewitt –

und wer soll’s glauben?

 

Liebe Tauffamilien Koch und Rünzi, liebe Festgäste, liebe Gemeinde

 

»Zwei mal drei macht vier, widewidewitt, und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt …«

 

Ganz so fantasievoll wie Pippi Langstrumpf bzw. Astrid Lindgren waren die Liederdichter der Kirche leider nicht. Aber vielleicht ist ein Mangel an Fantasie daran schuld, dass die Dreieinigkeit Gottes bis heute ein echtes Mysterium und selbst für Menschen mit abgeschlossenem Theologiestudium schwer zu erklären ist.
Schon 1334 allerdings erkannte die Kirche den Klärungsbedarf und führte den Sonntag Trinitatis ein. Ein Sonntag, der das »Drei-mal-eins-macht-Eins« selbstbewusst gegen Judentum und Islam vertrat. Seit sieben Jahrhunderten also mühen sich Pfarrer/innen und Gemeinden, die Drei- und Einheit Gottes, kurz: die Trinität, zu verstehen und zu glauben.

 

Einer der Predigttexte für den Sonntag Trinitatis stammt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Christengemeinde in Rom, und der kluge Paulus hält sich nicht mit schrägen Erklärungen auf, er schreibt ein Loblied, einen Hymnus. Ich lese Römer 11,33–36:

 

»O welch Tiefe des Reichtums an Weisheit und Erkenntnis Gottes. Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Wer hat ihm etwas gegeben, dass Gott ihm wiedergeben müsste? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.«

 

Liebe Gemeinde, »zwei mal drei macht vier, widewidewitt, und drei macht neune« – wenn Pippi Langstrumpf so etwas singt, singen wir begeistert mit und finden, dass sie gar nicht so unrecht hat, wenn sie sich die Welt macht, wie es ihr passt. Wenn aber jemand behauptet, dass Gott drei Personen in einer sei, dann ist das schwer zu schlucken. Drei mal eins macht eins, widewidewitt – und wer soll’s glauben? … Sie! – Deswegen nun eine Lehrpredigt über die Trinität!

 

Paulus hält sich elegant aus dem Problem heraus – zu seiner Zeit war das auch noch nicht wirklich eines. Der eine Gott, der schon immer und vor aller Zeit Lebendige hatte seinen Sohn geschickt, um die Menschen zu erlösen. O welchTiefe des Reichtums an Weisheit und Erkenntnis!
Wie da nun der Sohn zu dem all-einzigen Vater passte, war zweitrangig und wurde in der Regel mit weisheitlichen Texten gelöst, nach denen die Sophia, die Weisheit, schon immer beim Allmächtigen war und schon bei der Schöpfung der Welt zugegen war. „Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
Paulus stellt diese Frage. Die Weisheit, Jesus selbst, war eine mögliche Antwort auf die ursprünglich rhetorische Frage.

 

Aber – Sie können sich vorstellen, dass es relativ bald Unstimmigkeiten gab mit solchen, die Jesus eher als einen echten Menschen sahen, der von Gott quasi adoptiert wurde. Der also mit dieser großen Mission betraut wurde, zu sterben und auferweckt zu werden.
Jedenfalls war das vierte Jahrhundert kirchengeschichtlich voller Streitereien, welcher Natur nun Jesus gewesen sei, ob menschlich, göttlich, halb-halb vermischt, unvermischt – die Theologiegeschichte darüber ist spannender, als es sich jetzt anhören mag, aber auch zeitraubender, als eine Predigt hergibt. Deshalb überspringen wir das jetzt, und ich stelle abkürzend fest, dass sich schließlich diejenigen durchgesetzt hatten, die der Ansicht waren, dass Jesus »wahrer Gott vom wahren Gott« (Nizänum) sei. Eine Kompromissformel, denn wie menschliche und göttliche Natur darin verteilt sind, war damit noch nicht gesagt, aber ich wollte ja abkürzen. Also, erst einmal schien geklärt, dass Jesus Christus göttliche Person trotz echter Menschwerdung ist. Zwei mal eins macht eins, widewide witt, das kannst du glauben …

 

Und dann tauchte noch das Problem mit dem Geist auf. Wie war denn nun dessen Verhältnis zur Person des Vaters und des Sohnes zu denken?
Ich erspare Ihnen die zähen Jahrzehnte des Streits, der übrigens der Grund für die Spaltung zwischen der römischen und der orthodoxen Kirche war, und teile Ihnen das Ergebnis mit: Der Geist ist ebenfalls im Vollsinn Person und schmälert gleichzeitig nicht die Einzigkeit Gottes. Person im Sinne von Ansprechbarkeit und der Fähigkeit, sich zu anderen zu verhalten.

 

Drei mal eins macht drei, widewidewitt, und ist nur einer – Sie haben’s immer noch nicht begriffen? Kein Wunder. Welch Tiefe des Reichtums an Weisheit und Erkenntnis Gottes …
Das Geheimnis steckt im letzten Satz des Predigttextes: »von ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge.«
Damit ist ausgesagt, dass sich Gott zu allem und zu allen verhält. Der dreieinige Gott verhält sich zu uns Menschen, ja, er ist von seinem Wesen her Beziehung. Vielleicht ist eben dies das Göttlichste an Gott, dass Gott nicht etwas ist, sondern sich zu sich selbst verhält, als Vater, als Sohn, als Geist. Gott ist eben nicht nur ein liebendes Ich, sondern immer auch ein geliebtes Du.
Wer hat ihm etwas gegeben, dass Gott ihm wiedergeben müsste? zitiert Paulus aus dem Buch Hiob.
Gott könnte sich in sich selbst genug sein, aber weil er ist, indem er Beziehung aufnimmt, werden wir hineingenommen in dieses Wesen der Liebe.

 

Der Theologe Eberhard Jüngel hat das auf die Formel gebracht »Gott ist der von sich aus mit sich selbst Anfangende.« Gott verhält sich uns gegenüber genauso wie sich selbst gegenüber: So wie er sich selbst gegenüber nicht nur Tätiger, sondern auch Empfangender ist, gibt er sich uns und empfängt von uns.

 

Deshalb ist es sinnvoll zu beten, zu singen, zu danken: Darin bleibt es nicht bei der einseitigen Beziehung Gottes zu uns, sondern wir knüpfen daran an und werden in die Dreieinigkeit Gottes mit hineingenommen. Hineingenommen in einen Prozess der sich immer wieder erneuernden Liebe.

 

Die Trinität Gottes erschließt sich dem Verstand nicht einfach so im Hören. Ich muss mich hineinnehmen lassen in diesen Prozess, in den »Trialog« einsteigen, das Gespräch mit Gott aufnehmen. Und deshalb – Lehrpredigt hin oder her – ende ich nun doch mit einer Referenz an Pippi Langstrumpf, die an die unterschiedlichsten Beziehungen anknüpft – von der Mutter, die sie als Engel im Himmel weiß, bis zu den Einbrechern, mit denen sie letztendlich tanzen übt.

 

Machen Sie’s doch auch wie Pippi Langstrumpf. Lassen Sie zwei mal drei vier und drei mal eins eins sein, nehmen Sie Gott so an, wie Sie ihn erfahren, und setzen Sie sich mit ihm in Verbindung. Gewöhnlich geschieht dann auch in unserem Leben eine dreifache Entfaltung: Wir kommen Gott nahe, wir kommen uns selbst näher und wir kommen anderen näher – Geist steckt an …
Und dann passt doch wieder Pippi Langstrumpfs Lied: Drei mal eins macht eins, widdewidde – wer will’s von uns lernen? Alle, groß und klein, trallalala laden wir nun ein …

 

Das Abendmahl, das wir an Pfingsten gefeiert haben, ist eine von vielen Möglichkeiten, sich mit hineinnehmen zu lassen in die Tiefe des Reichtums Gottes und gleichzeitig untereinander verbunden zu bleiben.
Aber rechnen wir auch in unserem Alltag damit, von Gott berührt zu werden, strecken wir uns aus nach Gott, denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!
Amen.